Nadja von Taste of Malawi erklärt Dir Online-Volunteering

Verfasst von Danny Callaghan

Taste of Malawi e.V. ist eine gemeinnützige Organisation, die sich grenzüberschreitend für Frauen in Malawi engagiert. Bei der Umsetzung der Arbeit von Taste of Malawi ist Online-Volunteering zentral – eine Arbeitsweise, die auch Du einsetzen kannst, um die Qualität und Wirksamkeit der Arbeit Deiner Organisation zu verbessern.

Nadja ist Kommunikationsexpertin und Social-Media-Managerin bei Taste of Malawi. Im vierten Interview der Reihe „Digitale Vorbilder“ spricht Nadja über ihre eigenen Erfahrungen als Online-Volunteer. Außerdem zeigt sie uns wie gemeinnützige Organisationen selbst digitales Engagement nutzen können.

Was macht Taste of Malawi?

Taste of Malawi ermöglicht Frauen in Malawi eine Ausbildung zur Schneiderin und bietet kaufmännische Workshops an. Das Ziel ist es, Frauen dabei zu unterstützen, ihr eigenes Unternehmen zu gründen, ein unabhängiges Leben zu führen und andere Frauen in ihrem Umfeld ebenfalls dazu zu ermutigen.

Die Organisation befindet sich hauptsächlich an zwei Standorten: Malawi und Deutschland. Zusätzlich engagieren sich ehrenamtliche Helfer:innen aber aus ganz Deutschland, Europa und den USA.

Nadja arbeitet seit Anfang 2018 als Freiwillige bei Taste of Malawi. Im Anschluss an ihr Praktikum als Sozialarbeiterin im Projekt vor Ort hat Nadja ihre derzeitige Rolle als Online-Freiwillige als Social-Media-Managerin übernommen. Sie befindet sich heutzutage in Köln. 

“Digitales Ehrenamt erfordert, dass man sich selbst engagiert, motiviert und Lust darauf hat. Aber man kann sich dadurch auch sehr viel selbst entwickeln. Ich mag die Herausforderungen des Online-Volunteerings, allerdings soll man auch erkennen, wie viele Chancen es bringt.”

Welche Vorteile ergeben sich aus der digitalen Freiwilligen-Arbeit?

Von hoher Flexibilität bis hin zum internationalen Austausch - Nadja ist überzeugt, dass Online-Volunteering viele Vorteile mit sich bringt: 

Höhere Flexibilität

Ortsunabhängig arbeiten → Ob Du umziehst, deinen Studiengang wechselst oder auf Reisen bist - nichts davon stellt ein Problem fürs Online-Volunteering dar. Digitales Ehrenamt bedeutet, dass Du von fast überall arbeiten kannst, solange Du einen Laptop und eine stabile Internetverbindung hast. 

“Seit ich bei Taste of Malawi bin, habe ich an drei verschiedenen Orten gewohnt. Das hätte nicht funktioniert, wenn ich analog gearbeitet hätte.”  

Freiwillige langfristig binden → Nadja erklärt auch, dass die Freiwilligen meist länger Teil der Organisation bleiben, weil sie in der Lage sind, sich unabhängig von ihrem Standort zu engagieren. Das ist ein großer Vorteil, wenn man berücksichtigt, wie viel Zeit und Mühe es kostet, jede:n neue:n Freiwillige:n einzuarbeiten.

Vergrößerte Reichweite → Darüber hinaus hat man eine größere Auswahl an Tätigkeiten. Als digitale:r Freiwillige:r bist Du nicht mehr lediglich auf die Projekte in Deiner näheren Umgebung beschränkt. Vielmehr hast Du die Möglichkeit, Dich an fast jedem Ort zu engagieren und so verschiedenste Netzwerke aufzubauen. 

Zum Alltag einbinden → Im Vergleich zu den analogen Freiwilligentätigkeiten können digitale Freiwillige ihre Arbeit viel besser in ihren Alltag einbinden. Ob Du nun ein Treffen in der Mittagspause einplanst oder aus dem Zug aus arbeitest - die Flexibilität, die Du  als Online-Freiwillige:r zukommt, bietet ein weitaus größeres Maß an Entscheidungsfreiheit. Mit anderen Worten: Arbeite, wann und wo Du arbeiten willst.

Internationaler Austausch

Die Kernidee von Taste of Malawi beruht auf einem internationalen Austausch, bei dem Näher:innen und Mitarbeiter:innen voneinander lernen. Damit diese Beziehung für beide Seiten vorteilhaft ist und auf Augenhöhe funktioniert, ist die Vernetzung durch digitale Mittel unerlässlich. Für Nadja und ihre Kolleg:innen ist es ein riesen Privileg, durch das Ehrenamt von anderen Kulturen zu lernen.

Der Austausch mit anderen Kulturen kann Dir dabei helfen, nützliche Fragen zur Arbeitsweise Deiner Organisation zu stellen, wie z. B.: Wie kann ich meine Arbeitsweise ändern, um eine bessere Zusammenarbeit zu fördern? Welche Schwächen in meiner Arbeitsweise werden mir durch einen kulturellen Austausch bewusster?

“Im Projekt lernen beide Seiten voneinander. Neben der Ausbildung der Frauen lernen die Freiwilligen, wie man eine NGO führen und leiten kann. Das würde ohne das Online-Angebot gar nicht funktionieren.”

Der Austausch mit anderen Kulturen kann Dir dabei helfen, nützliche Fragen zur Arbeitsweise Deiner Organisation zu stellen, wie z. B.: Wie kann ich meine Arbeitsweise ändern, um eine bessere Zusammenarbeit zu fördern? Welche Schwächen in meiner Arbeitsweise werden mir durch einen kulturellen Austausch bewusster?

Herausforderungen mit Online-Volunteering und wie Du sie meisterst

Ein Online-Ehrenamt kann auch herausfordernd sein – sowohl für freiwillige Helfer:innen, als auch für Projektverantwortliche. Die folgenden Erfahrungen von Nadja können Dir helfen, häufige Probleme beim Online-Volunteering schnell zu lösen

  • Wie kreiere ich online ein Team-Gefühl?

    Einige Teams sind besser für die Online-Arbeit geeignet, anderen fällt es schwerer sich anzupassen. Dies hängt von Faktoren wie der Größe des Teams, der Art der Freiwilligentätigkeit und den digitalen Fähigkeiten der Teammitglieder ab. Oft fällt es Organisationen schwer, eine vergleichbare  Arbeitsatmosphäre wie bei der analogen Arbeit zu schaffen.

     Nadjas Rat: Taste of Malawi hat von Anfang an digital gearbeitet. Eine erfolgreiche Teamintegration, sagt Nadja, kann durch die zielgerichtete Pflege der Beziehungen unter Teammitglieder erreicht werden. Eine integrative Kultur und regelmäßige Veranstaltungen, auch außerhalb der Arbeitszeit, sind das A und O einer guten digitalen Organisation. Regelmäßige digitale Begegnungen, Weihnachtsfeiern und Sommerausflüge sind nur einige Ideen.

  • Wir kommuniziere ich richtig mit Online-Volunteers?

    Wenn keine ständige persönliche Interaktion untereinander stattfindet, ist regelmäßige  und transparente Kommunikation für den Erfolg von digitalem Engagement wichtig. Ohne laufenden Kontakt zueinander kann das Team leicht den Zusammenhalt verlieren und weniger effizient werden.

    Nadjas Rat: Der Einsatz von Kommunikationstools, die für Deine Organisation geeignet sind, kann sowohl Kommunikationsprozesse  unterstützen als auch zur Strukturierung von Aufgaben beitragen. Taste of Malawi hat sich für Trello entschieden, um Aufgaben zu verfolgen, WhatsApp und Gmail für den Austausch und Zoom für Meetings. Auch CRM-Systeme können eine gute Möglichkeit sein, den Überblick über Deine Kommunikation zu behalten.

  • Wie motiviere ich Online-Volunteers langfristig?

    Sich digital zu engagieren bedeutet auch, dass Du Kolleg:innen nicht täglich am Arbeitsplatz triffst. Es muss am Teamgefühl gearbeitet und sichergestellt werden, dass ausreichend Eigenmotivation vorhanden ist.

    Nadjas Rat: Bildet kleine Teams (2-3 Personen) innerhalb der Organisation. Das Ziel ist, dass Teams sich gegenseitig zur Verantwortung ziehen, sich bei beruflichen und persönlichen Problemen unterstützen und täglichen Kontakt haben. Dabei eine Freundschaft zu knüpfen, wäre die Kirsche auf der Sahnehaube.

  • Wie veranschauliche ich Online-Volunteers das Ergebnis ihrer Arbeit?

    Bei der ehrenamtlichen Arbeit geht es darum, positive gesellschaftliche oder soziale Veränderungen herbeizuführen. Digitale Freiwilligenarbeit führt oft dazu, dass vor Ort erzielte Ergebnisse des Engagements nicht besonders sichtbar sind. Das kann schnell zu weniger Motivation führen.

    “Ab und zu fehlt mir das Gefühl, wirklich etwas zu bewirken.”

    Nadjas Rat: Reagiere auf die sich bietenden Chancen. Geh auf die Gemeinschaft zu, in der Du aktiv bist, richte Buddy-Systeme zwischen Engagierten und anderen Projektbeteiligten ein und bitte um häufiges Feedback. Online-Freiwilligenarbeit bedeutet nicht direkt, dass Du nicht auch vor Ort sein kannst.

Nadjas Tipps & Tricks zum Online-Volunteering

  • Proaktive Einstellung: Sei bereit Neues zu lernen, Gelegenheiten zu ergreifen (sowohl vor Ort als auch online) und Strategien zu entwickeln, um alle Projektbeteiligte näher zusammenzubringen (z. B. Buddy-Systeme, WhatsApp-Gruppen und Fundraising-Aktionen).

  • Probleme erkennen und lösen: Technologie kann manchmal frustrierend sein. Missverständnisse entstehen leichter, wenn Du rein digital kommunizierst. Entwickle ein Bewusstsein für diese Herausforderungen und finde passende Lösungen für Dich und Deine Organisation.

  • Kommunikationstools sorgfältig auswählen: Informiere Dich über die verfügbaren Tools und finde heraus, wie Dein Team am besten kommuniziert. Die Wahl der richtigen Kommunikationsmittel ermöglicht einen reibungslosen Ablauf Eurer Organisation.

Zum Abschluss ein großes Dankeschön an Nadja für das Gespräch und ihren Einblick in die internationale Online-Freiwilligenarbeit. 

Hast Du Fragen zur digitalen Zusammenarbeit oder möchtest Dich gerne mit anderen darüber austauschen? Möchtest auch Du Deine Tipps an die Community weitergeben? Dann melde Dich gerne bei uns unter info@impact-werkstatt.de oder sieh’ Dich auf unserer Impact-Werkstatt Website um.

Du willst noch mehr wissen zu digitaler Zusammenarbeit? Melde Dich für unseren Newsletter an!

Newsletter abonnieren